{"id":58,"date":"1998-03-18T23:25:26","date_gmt":"1998-03-18T21:25:26","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=58"},"modified":"1998-03-18T23:25:26","modified_gmt":"1998-03-18T21:25:26","slug":"psychose-eine-veraenderter-wirklichkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=58","title":{"rendered":"Psychose &#8211; eine ver\u00e4nderter Wirklichkeit?"},"content":{"rendered":"<p><b>Psychoseseminar am 18. Marz 1998<\/b><\/p>\n<p><b>Vorbereitung:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Begr\u00fc\u00dfung und Vorstellen der Mitwirkenden<\/li>\n<\/ul>\n<p>(Fr. Sch., Bundesverband Psychiatrieerfahrener, Fr. B. S., Angeh\u00f6rige, Fr. I. H., \u00c4rztin)<\/p>\n<ul>\n<li>einleitende Worte zur Idee des Psychoseseminars<\/li>\n<\/ul>\n<p>(Fr. Sch., Fr. H.)<\/p>\n<ul>\n<li>Einstimmung zum Thema \u2014 Erlebnisberichte<\/li>\n<\/ul>\n<p>(Fr. Sch., Fr. S., Fr. H.)<\/p>\n<ul>\n<li>Was habe ich bisher mit Psychose erlebt?<\/li>\n<\/ul>\n<p>(TeilnehmerInnen \u00e4u\u00dfern sich auf Zetteln)<\/p>\n<ul>\n<li>Zettel an die Wand heften<\/li>\n<\/ul>\n<p>P A U S E<\/p>\n<ul>\n<li>Diskussion und Zusammenfassung unter dem Augenmerk<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Psychose &#8211; eine ver\u00e4nderte Wirklichkeit<\/b><\/p>\n<p>Moderation: Fr. M., Sozialarbeiterin<\/p>\n<p>Ziel: Informationen zum Thema; Trialog in Gang setzen<\/p>\n<p><b>Durchf\u00fchrung:<\/b><\/p>\n<p>anwesendes arztliches Fachpersonal: Fr. Sch. (RK), Fr. H.<\/p>\n<p>TeilnehmerInnen (insg.): 20 Personen<\/p>\n<p>Infos zum Seminar: v. a. \u00fcber Presse und pers\u00f6nliche Ansprache<\/p>\n<p><b>Texte von den TeilnehmerInnen \u2014 Was habe ich bisher mit Psychose erlebt?<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>1) in der akuten Phase: Verfolgungswahn \u2014 Konzentrationsschwierigkeiten \u2014 Verge\u00dflichkeit \u2014 Verkennungen \u2014 Euphorie, sp\u00e4ter: &#8211; schwerer Ersch\u00f6pfungszustand &#8211; Depressionen \u2014 Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Erkrankung noch nicht realisiert<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>2) Ich hatte Wahnvorstellungen (Schattengestalt), f\u00fchlte mich bedroht, h\u00f6rte Stimmen; bin jetzt 1 Jahr Psychose frei.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>3) Manchmal Hilflosigkeit und Ungeduld, wenn ich keinen Zugang zum psychotisch erkrankten Menschen fand. Manchmal auch Freude, zu sehen, da\u00df sich ein Mensch (z. B. in einer manischen Phase) Dinge zu sagen traut, die er sich normalerweise nicht traut zu sagen oder Dinge tut, die er normalerweise nicht tun w\u00fcrde.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>4) &#8211; Verunsicherung\/Orientierungslosigkeit \u2014 Zerrissenheit &#8211; \u00c4rger \u2014 \u00c4ngste \u2014 Hilflosigkeit &#8211; Grenzen \u2014 Machtlosigkeit &#8211; Interesse \u2014 Faszination sowohl bei den Betroffenen als auch bei mir selbst. Mir f\u00e4llt auf, da\u00df mir als erstes sehr viel eher negative Begriffe einfallen, zweitens, da\u00df sie eng miteinander verkn\u00fcpft sind.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>5) Angeh\u00f6rige! Wie kann ich meinem Sohn helfen, wieder in die Realit\u00e4t zu kommen? Wie verhalte ich mich, wenn er fragt, da\u00df ich seine Gedanken nicht sehen und erleben kann?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>6) Wenn ich schlecht dran war, bekam ich mein Zimmer nicht mehr in Ordnung gehalten. Ich habe ziemlich viel abgenommen. Ich war zusammengeklappt. Ich hatte meine damalige Wohnung durcheinander geworfen. Ich war sehr aggressiv, als ich in der Psychose war. Ich habe auch dann meistens Alkohol getrunken, als ich eine depressive Phase hatte. Ich hatte meine Medikamente selber abgesetzt und bin in Phasen geraten, wo es um Leben und Tod ging. Ich habe dabei noch sehr viel Gl\u00fcck gehabt.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>7) Meine Tochter ist aus der Klinik entlassen (nach 5 Monaten), 2 Kinder (7 und 4 1\/2 Jahre); 1. wie lange steht eine Haushaltshilfe zu; 2. was kann man tun, wie sie hilflos dasteht?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>8) \u2014 viel Anstrengung, um sich gegen die Erkrankung zu wehren &#8211; Menschen leben in einer Welt, die ich von au\u00dfen nur ahnen kann. &#8211; Angst davor, im Umgang mit erkrankten Menschen, etwas falsch zu machen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>9) Bei Betroffenen erlebe ich: Traurigkeit, Isolation, Scham, innere Stimmen, Abwesenheit von der Wirklichkeit, gro\u00dfe \u00c4ngste und Unsicherheiten.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>10) &#8211; anders zugesprochen, sp\u00e4ter Reibereien; \u2014 ich wollte das Beste und ich dachte, da\u00df der Leiter es so wollte.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>11) &#8211; Zwanghaftigkeit bei Betroffenen &#8211; Hilflosigkeit bei mir &#8211; Wut bei beiden &#8211; Verst\u00e4ndnislosigkeit bei beiden &#8211; Kreativit\u00e4t &#8211; Phantasie &#8211; Verletzungen<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>12) als Angeh\u00f6riger: sehr lange Trennung vom Partner durch Klinikaufenthalte; die Art und Weise der Behandlung psychisch Kranker (ausprobieren aller m\u00f6glichen Medikamente!) &#8211; Einblick in Abteilungen von Krankenh\u00e4usern f\u00fcr psychisch Kranke. \u2014 Eine Umstellung meines eigenen Lebens.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>13) Menschen, die sich in abartige Handlungen hinein gesteigert haben.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>14) Euphorie, Schlaflosigkeit, Angst, innere Unruhe, Depressionen, Aggressivit\u00e4t.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>15) Psychose als Mittel der Realit\u00e4tsflucht. Psychose aus einer langen Zeit des k\u00f6rperlichen \u00dcbernehmens.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>16) Aufl\u00f6sung von Grenzen. Angst. Existentielle Fragen wie Leben \u2014 Tod, Religion.. Faszination. Lebensenergie.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>17) Ich kann ja nicht wissen, wer gerade eine Psychose hat. So kann ich auch nicht wissen, was mit Psychose erlebt habe. Es sind ja wohl nicht alle Verhaltensauff\u00e4lligkeiten eines Psychoseerfahrenen gleich wieder eine neue Psychose. Deshalb w\u00e4re es schon gut, wenn ich mehr \u00fcber Psychose w\u00fc\u00dfte.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>18) schwer mitteilbar\/verstehbar; gesunde\/kranke Phasen; integrieren in den Alltag<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>19) \u2014 Abbruch der Kommunikation, &#8211; ratlose \u00c4rzte\/\u00c4rztinnen, &#8211; Isolation von Angeh\u00f6rigen \/ Profis und Betroffenen; &#8211; viele engagierte Menschen, die trotz der ung\u00fcnstigen \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde neue Wege suchen und gehen, &#8211; Angst und Verzweiflung am Rande der Belastungsgrenze.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>20) Mein Mann hat die 4. Psychose und ist derzeit das 3. Mal in der geschlossenen Psychiatrie. Als Ehefrau und Mutter f\u00fchlte ich mich sehr, sehr bedroht und hatte entsetzliche Angst um die Kinder. Er sprach immer \u00f6fter vom T\u00f6ten, rannte durchs Haus nachts, weckte uns auf und sagte, er h\u00e4tte Angst um uns. Der Antichrist st\u00e4nde vor der T\u00fcr u. \u00e4. Auch nach 3 Wochen Krankenhausaufenthalt von ihm habe ich st\u00e4ndig Albtr\u00e4ume und Zukunfts\u00e4ngste.<\/li>\n<\/ul>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.psychoseseminar.info\/p-seminar\/1998-03.htm\" width=\"350\" height=\"75\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psychoseseminar am 18. Marz 1998 Vorbereitung: Begr\u00fc\u00dfung und Vorstellen der Mitwirkenden (Fr. Sch., Bundesverband Psychiatrieerfahrener, Fr. B. S., Angeh\u00f6rige, Fr. I. H., \u00c4rztin) einleitende Worte zur Idee des Psychoseseminars (Fr. Sch., Fr. H.) Einstimmung zum Thema \u2014 Erlebnisberichte (Fr. Sch., Fr. S., Fr. H.) Was habe ich bisher mit Psychose erlebt? 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