{"id":343,"date":"2016-03-16T17:42:39","date_gmt":"2016-03-16T15:42:39","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=343"},"modified":"2016-03-16T17:42:39","modified_gmt":"2016-03-16T15:42:39","slug":"keine-einsicht-in-die-erkrankung-wer-uebernimmt-die-verantwortung-im-akutfall","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=343","title":{"rendered":"Keine Einsicht in die Erkrankung &#8211; wer \u00fcbernimmt die Verantwortung im Akutfall?"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 16. M\u00e4rz 2016 von 19.00 \u2013 21:00 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation und Protokoll: Frau Dangel<\/p>\n<p><b>Ablauf:<\/b><\/p>\n<p>Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der anwesenden G\u00e4ste Frau Dangel<\/p>\n<p>Vorstellung des Psychoseseminars Herr Schmidt<\/p>\n<p>Ablauf des Seminars mit Pausen und Getr\u00e4nken und Protokoll erkl\u00e4ren Frau Dangel<\/p>\n<p><b>Einstieg &#8211; Frau Dangel:<\/b> Wir m\u00f6chte heute mit den Fragen beginnen:<\/p>\n<p>Haben sie als Angeh\u00f6rige und Profis schon einmal die Verantwortung im Akutfall \u00fcbernommen? Wurde f\u00fcr Sie als Betroffener schon einmal die Verantwortung im Akutfall \u00fcbernommen? Wer m\u00f6chte \u00fcber seine Erfahrungen berichten?<\/p>\n<p>Es entsteht ein reger Austausch. Berichtet wird folgendes:<\/p>\n<ul>\n<li>Mein Mann nahm bei einem Schub immer einen Tag lang Haloperidol, hier kurz: Haldol . Das wollte er nicht immer. Er bekam ein- bis zweimal im Jahr einen Schub. Dann nahm er 3x10mg Haldohl. Nach der Einnahme schlief er 3 Tage. Danach war der Schub meist vorbei. Einmal musste ich ihn \u00fcber das PsychKG in die Psychiatrie einweisen lassen. (Mit Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) werden die Gesetze der einzelnen Bundesl\u00e4nder bezeichnet, die es erm\u00f6glichen, psychisch kranke Menschen im Falle akuter Selbst- oder Fremdgef\u00e4hrdung gegen ihren Willen in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus unterzubringen.) In den anderen F\u00e4llen hat es ohne PsychKG geklappt. Dann hat die Familie aufgepasst, dass meinem Mann nichts passiert. H\u00e4ufig traten die Akutsituationen nachts auf. Als Angeh\u00f6rige wurde ich dann vom Hausarzt auch \u201ekrank\u201c geschrieben, weil ich in der Nacht nicht geschlafen hatte. Verantwortung f\u00fcr die Einnahme der Medikamente wollte ich nicht \u00fcbernehmen. Diese Kontrollfunktion wollte ich als Angeh\u00f6rige nicht \u00fcbernehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Haldol wirkt als Akutmedikation beruhigend und d\u00e4mpfend, um die psychotischen Symptome einzud\u00e4mmen. Nach der Akutsituation erfolgt oftmals eine Medikamentenumstellung. Es erfolgt auch eine Behandlung der Nebenwirkungen der Medikamente.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Patienten, die Haldol einnehmen sollten nicht alleine sein. Haldol wirkt sehr stark. Es ist \u00e4rztliche Unterst\u00fctzung notwendig.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Bei Selbst \u2013 und Fremdgef\u00e4hrdung kann die Polizei, der Krankenwagen, das Ordnungsamt und der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes (Kreis D\u00fcren) gerufen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Auch \u00fcber das Internet ist Hilfestellung m\u00f6glich. Dort hatte ein User in einem Forum psychische Probleme beschrieben. Ausschnitte aus den Protokollen des Psychoseseminars konnten ihm und den anderen User helfen, das Problem ernst zu nehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Nicht immer muss es sich um eine Psychose handeln, wenn ein Mensch wahnhafte Gedanken hat. Diese k\u00f6nnen als separate St\u00f6rung auftreten und in den Alltag integriert werden. Ein Klinikaufenthalt ist dann nur unter bestimmten Gef\u00e4hrdungspunkten notwendig. Oftmals ist es von \u00e4rztlicher Seite schwierig herauszufinden (diagnostizieren), ob eine wahnhafte St\u00f6rung vorlegt oder eine Psychose.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Es kommt auch vor, dass das soziale System die \u201eVerantwortung\u201c im Akutfall \u00fcbernimmt. Ein Betroffener berichtet, dass er sein Medikament erbrochen hatte und ganz schnell in den psychotischen Schub kam. Er war zu diesem Zeitpunkt in einem Berufsf\u00f6rderungswerk. Die Kollegen und Mitarbeiter konnten ihn in dieser Situation unterst\u00fctzen und in die Uniklinik begleiten. Dort bekam er ein Medikament, hat 2 Tage geschlafen und konnte nach 2 Wochen entlassen werden. Das soziale System hat die Ver\u00e4nderung des Betroffenen erkannt. Dies ist bei vertrauter Beziehung gut m\u00f6glich. Andererseits kann auch das System (die Familie) \u201ebetriebsblind\u201c werden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Mein Mann war seit einiger Zeit oft sehr m\u00fcde und sprach davon, dass er keine Lust mehr am Leben hat. Kurze Zeit sp\u00e4ter hatte er einen psychotischen Schub mit einem Selbstmordversuch. Ich bat den Arzt auch die Ursachen f\u00fcr die M\u00fcdigkeit zu finden, weil ich Angst hatte, er w\u00fcrde sonst au\u00dferhalb eines Schubs einen Selbstmordversuch starten. Dem Arzt muss das so viel Angst gemacht haben, dass er ihn mit Medikamenten zustopfte. Er wurde nicht mehr wach und kam daraufhin auf die Intensivstation eines Krankenhauses. Dort stellt man fest, dass er ein Atemger\u00e4t braucht. In die Psychiatrie musste er seitdem nicht mehr.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>PAUSE<\/b><\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte wir auf der Flipchart sammeln, was Angeh\u00f6rigen, \u00c4rzten und Betroffenen im Akutfall hilft. Welche Aspekte spielen eine Rolle? Wir beginnen mit den Angeh\u00f6rigen:<\/p>\n<p><b>Was hilft Angeh\u00f6rigen (im Akutfall)<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Information und Aufkl\u00e4rung<\/li>\n<li>Erfahrung<\/li>\n<li>Vernetzung<\/li>\n<li>Selbsthilfegruppe<\/li>\n<li>Soziales Netzwerk<\/li>\n<li>Behandlungsvereinbarung<\/li>\n<li>Einbeziehung in die Behandlung<\/li>\n<li>Beratung<\/li>\n<li>Psychoseseminar<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Was hilft Betroffenen (im Akutfall)<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Ruhe<\/li>\n<li>Begleitung (auch nonverbal)<\/li>\n<li>Reizabschirmung<\/li>\n<li>Vertrauen (falls m\u00f6glich)<\/li>\n<li>Behandlungsvereinbarung<\/li>\n<li>Stress meiden<\/li>\n<li>Gutes Schlafen<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Psychoeduaktion (z. B. Station 7a \/ b LVR Klinik D\u00fcren)<\/li>\n<li>Psychoseseminar<\/li>\n<li>Fr\u00fchwarnsymptome<\/li>\n<li>Psychose vermeiden<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Was hilft \u201eProfis\u201c (im Akutfall)<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Familienangeh\u00f6rige befragen<\/li>\n<li>Vorgeschichte kennen<\/li>\n<li>Entwicklung beachten<\/li>\n<li>Information (was vertr\u00e4gt der Patient \/ was nicht\u2026)<\/li>\n<li>Behandlungsvereinbarung<\/li>\n<li>Zusammenarbeit mit anderen Fachstellen<\/li>\n<li>Behandlungseinsicht<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Ca. 20:45 Uhr<\/p>\n<p><b>Abschlussrunde:<\/b> Ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)<\/p>\n<p>Bedanken bei der Seminargruppe (und dem Gast \/ den G\u00e4sten) \u2013 Hinweis auf das n\u00e4chste Seminar am 20. April zu dem Thema \u201eMedikamente nehmen oder nicht nehmen?\u201c. Alle weiteren Themen stehen auch auf der Homepage des Psychose \u2013 Seminars: www.psychose-seminar.info<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 16. 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