{"id":333,"date":"2015-06-17T17:25:04","date_gmt":"2015-06-17T15:25:04","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=333"},"modified":"2015-06-17T17:25:04","modified_gmt":"2015-06-17T15:25:04","slug":"absetzen-von-medikamenten-geht-das-gut","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=333","title":{"rendered":"Absetzen von Medikamenten, geht das gut?"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 17. Juni 2015 von 19.00 \u2013 21:15 Uhr<\/b><\/p>\n<p><b>Moderation und Protokoll: Frau Dangel<\/b><\/p>\n<p><b>Ablauf:<\/b><\/p>\n<p>Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der anwesenden G\u00e4ste: Frau Dangel<\/p>\n<p>Vorstellung des Psychoseseminars: Herr Schmidt<\/p>\n<p>Ablauf des Seminars mit Pausen und Getr\u00e4nken und Protokoll erkl\u00e4ren: Frau Dangel<\/p>\n<p><b>Einstieg &#8211; Frau Dangel:<\/b><\/p>\n<p>Heute ist das Thema: Absetzen von Medikamenten \u2013 geht das gut? Wir m\u00f6chten nun fragen, welche Erfahrungen Sie mit dem Ansetzen oder Gebrauch von Medikamenten gemacht haben. Wir bitten Sie, Ihre Erfahrungen auf verschiedene Karten zu schreiben und diese zun\u00e4chst zu behalten: blau f\u00fcr Angeh\u00f6rige, gr\u00fcn f\u00fcr Betroffene und gelb f\u00fcr Fachleute (wei\u00df als neutrale Karte). Anschlie\u00dfend wollen wir die Karten vorstellen (wer mag) und auf dem Boden farbig zuordnen.<\/p>\n<p><b>Die Nennungen der in der Psychiatrie T\u00e4tigen lauten:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Depressionen und \u00c4ngste kommen wieder<\/li>\n<li>Betroffene f\u00fchlen sich oftmals aktiver ohne Medikamente<\/li>\n<li>Betroffene sind aufgeregter ohne Medikamente<\/li>\n<li>Wiederauftreten der Erkrankung z. B. Psychose<\/li>\n<li>Ohne Absprache mit dem Arzt &gt; unerw\u00fcnschte Wirkungen<\/li>\n<li>Manchmal muss man gut abw\u00e4gen zwischen den Nebenwirkungen der Medis und dem Risiko des R\u00fcckfalls.<\/li>\n<li>Viele Patienten m\u00fcssen f\u00fcr sich die Erfahrung machen, dass sie ohne Medis immer wieder krank werden, bevor sie f\u00fcr sich akzeptieren, dass sie diese brauchen.<\/li>\n<li>Als \u00c4rztin sehe ich h\u00e4ufig Patienten, die nach dem Absetzen der Medis wieder erkranken. Diejenigen, die danach gesund bleiben sehe ich nat\u00fcrlich nicht.<\/li>\n<li>Absetzen der Medikamente am besten nur in Absprache mit dem Arzt und mit regelm\u00e4\u00dfiger Kontrolle; also geplant<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Die Nennungen der Betroffenen sind:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Ich habe verschieden Erfahrungen mit dem Gebrauch und der Einnahme von Mendikanten gemacht.<\/li>\n<li>Bei Ansetzen langsam ausschleichen und nach R\u00fccksprache mit dem Arzt<\/li>\n<li>Endogene Depression &gt; Stoffwechselst\u00f6rung im Gehirn &gt; Tabletten nicht absetzen<\/li>\n<li>Nach Absetzen der Medikamente habe ich einen ganz b\u00f6sen psychotischen Schub bekommen<\/li>\n<li>Es ging zuerst gut, dann kam der Entzug und ich wurde wieder krank (Klinik). Auch immer nach Absprache mit dem Facharzt<\/li>\n<li>Wenn ansetzen, sehr langsam; in 10% Schritten &gt; gute Erfahrung<\/li>\n<li>Zu schnelles absetzen von Medikamenten f\u00fchrt zur\u00fcck in die Psychiatrie<\/li>\n<li>K\u00f6rperliche Symptome beim Absetzen: Schwindel, Unruhe, aggressive Momente, aber wiederkehrendes Zeitempfinden (Ged\u00e4chtnis &gt; nicht mehr so vergesslich); wieder strukturiertes Denken m\u00f6glich; nicht mehr so getrieben wie ein Roboter, der funktioniert; Abklingen von Muskelschmerzen und Herzrasen.<\/li>\n<li>Seit Anfang des Jahres eine von zwei Medikamenten reduziert. Keine Ver\u00e4nderung; keine Probleme. Nach 15 Jahren die erste Reduzierung, 2001 erst zwei Jahre Psychose wegen \u00dcbelkeit Medikation erbrochen, in 2 Tagen in den Schub, aber in nur 2 Wochen wieder aus der Klinik. Letzer von nur 2 unkontrollierten Sch\u00fcben.<\/li>\n<li>Bei Depression auf keinen Fall absetzen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Die Nennungen der Angeh\u00f6rigen lesen sie wie folgt:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Sehr gute Erfahrungen mit \u201eGef\u00fchls \u2013 Protokollen\u201c: Befindlichkeit; Schmerz, Blutdruck, Medikamente. Zur Dosierung bzw. Selbstdosierung von Bedarfs \u2013 Medikation<\/li>\n<li>Schlechte Erfahrungen \u2013 Herabsetzen nur mit \u00e4rztlicher Abstimmung m\u00f6glich<\/li>\n<li>Jeder Absetzversuch f\u00fchrt zu einem psychotischen Schub<\/li>\n<li>Aus meiner Sicht ist er jetzt ein ganz neuer Mensch (positiv)<\/li>\n<li>Nach dem Absetzen war mein Mann wieder mein Mann und kein Zombie mehr. Ohne Medikamente ist mein Mann oft r\u00fcckf\u00e4llig geworden. Die Sch\u00fcbe endeten oft in Selbstmordversuchen. Wenn mein Mann einen Schub hatte hat er Haldol zuhause als Notfallmedikation genommen. Nach 3 Tagen schlafen war er wieder fit.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Zum Schluss ein neutraler Beitrag auf einer wei\u00dfen Karte:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Ich erlebe immer wieder, dass Betroffene schon kurze Zeit nach Klinikaufenthalt oder Einstellung auf Medis diese wieder absetzen wollen, da es ihnen so gut geht. Die Einsicht, dass es ihnen meist jedoch nur wegen der Medis gut geht kommt erst beim 2ten oder 3ten Mal. Trotzdem: \u201eso viel wie n\u00f6tig und so wenig wie m\u00f6glich\u201c auch wegen Abh\u00e4ngigkeit bei einigen Stoffen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>In der gemeinsamen Diskussion ergaben sich weitere Aspekte:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Angeh\u00f6rige sind auch hilflos, denn sie wissen nicht immer um die Gef\u00fchle der Betroffenen und wie diese sich mit Medikamenten ver\u00e4ndern. Hier kann ein Medikamentenprotoll helfen.<\/li>\n<li>Zus\u00e4tzliche Schwierigkeiten haben erblindete Betroffene, da die Beipackzettel nicht in Blindenschrift sind.<\/li>\n<li>Junge Patienten brauchen zun\u00e4hst Zeit sich mit der Erkrankung auseinander zu setzen. Es gibt auch einen Verlauf in der Medikamenteneinnahme, der sich im Lebensverlauf \u00e4ndert. Regelm\u00e4\u00dfige Arztgespr\u00e4che sind unerl\u00e4sslich.<\/li>\n<li>Ein Betreuer kann bei psychischer Erkrankung helfen, die Entscheidung einer Krankenhauseinweisung zu \u00fcbernehmen. Dann kann eine \u201eZwangseinweisung nach PsychKG verhindert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Pause<\/b><\/p>\n<hr \/>\n<p>Nach der Pause haben wir uns mit der Frage besch\u00e4ftigt: Was braucht es, um Medikamente zu reduzieren oder abzusetzen?<\/p>\n<p><b>Es werden genannt:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Man braucht Zeit und Geduld<\/li>\n<li>\u00c4rztliche Begleitung<\/li>\n<li>Soziales Umfeld mit einbeziehen<\/li>\n<li>Auf die Symptome achten<\/li>\n<li>Fr\u00fchwarnsymptome kennen<\/li>\n<li>Kommunikation (mit Arzt und Familie)<\/li>\n<li>Sport u.\u00e4.<\/li>\n<li>Unangenehme Symptome aushalten (nicht mit Drogen \u00fcbert\u00fcnchen)<\/li>\n<li>BEWO \/ Betreuer<\/li>\n<li>Auf Individualit\u00e4t achten (individuelle L\u00f6sungen)<\/li>\n<li>Selbsthilfegruppen \/ Psychiatriepaten \/ Psychiatrieerfahrene<\/li>\n<li>Information beschaffen<\/li>\n<li>Kommunikation der \u00c4rzte untereinander und mit Patienten und Angeh\u00f6rigen<\/li>\n<li>Soteria \u2013 (Gangelt und Haus 6 in D\u00fcren): besondere Form der Behandlung von Psychosen mit wenig Medikation<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ca. 20:30 Uhr<\/p>\n<p><b>Abschlussrunde:<\/b> Ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht (was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?)<\/p>\n<p><b>Bedanken bei der Seminargruppe (und dem Gast \/ den G\u00e4sten) \u2013 Hinweis auf die Sommerpause und die neuen Themen!<\/b> Alle Protokolle und Informationen finden Sie auch auf der homepage des Psychose \u2013 Seminars unter www.psychose-seminar.info, sowie die neuen Themen und Termine!<\/p>\n<p>Einige Seminarbesucher f\u00fcllen weitere Frageb\u00f6ger f\u00fcr die Hamburger Studentengruppe aus, die eine wissenschaftliche Erhebung zu Psychoseseminaren durchf\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 17. Juni 2015 von 19.00 \u2013 21:15 Uhr Moderation und Protokoll: Frau Dangel Ablauf: Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der anwesenden G\u00e4ste: Frau Dangel Vorstellung des Psychoseseminars: Herr Schmidt Ablauf des Seminars mit Pausen und Getr\u00e4nken und Protokoll erkl\u00e4ren: Frau Dangel Einstieg &#8211; Frau Dangel: Heute ist das Thema: Absetzen von Medikamenten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":14,"menu_order":-139,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/333"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=333"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/333\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=333"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}