{"id":288,"date":"2012-11-21T18:51:20","date_gmt":"2012-11-21T16:51:20","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=288"},"modified":"2012-11-21T18:51:20","modified_gmt":"2012-11-21T16:51:20","slug":"welche-hilfen-gibt-es-fuer-angehoerige-in-akutsituation-der-erkrankten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=288","title":{"rendered":"Welche Hilfen gibt es f\u00fcr Angeh\u00f6rige in Akutsituation der Erkrankten?"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 21. November 2012 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation: Frau Sieburg; Protokoll: Frau Dangel<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums: Herr Keutgen, Leiter der Selbsthilfegruppe f\u00fcr Angeh\u00f6rige psychisch Kranker und als Vertreter der LVR Klinik Herr Casper \u2013 Kiock.<\/p>\n<p>Es wird das Psychoseseminar vorgestellt und Hintergr\u00fcnde dazu erl\u00e4utert.<\/p>\n<p><b>Der Einstieg<\/b> erfolgt mit der Frage:<\/p>\n<p><b>1. Haben Sie Akutsituationen erlebt? Was haben Sie in der Situation gemacht? Hat es geholfen?<\/b><\/p>\n<p>Eine Teilnehmerin berichtet:<\/p>\n<p>Ich habe Akutsituationen mehrmals erlebt. Ich konnte nicht mehr stehen. Ich habe dann meine \u00c4rztin aufgesucht und eine Notfall &#8211; Tablette bekommen. Dann sollte ich nach Hause gehen. Ich hatte schlecht geschlafen und konnte nicht mehr essen. Ich versuchte mich mit Autogenem Training zu beruhigen. Ich nahm die Tablette. Ich ging ins Bett und konnte wieder nicht schlafen. Ich f\u00fchlte mich alleine. Ich rief die \u00c4rztin erneut an. Sie erkl\u00e4rte, dass es Nebenwirkungen der Tablette seien. Es ging mir weiter sehr schlecht. Nach zwei Tagen bin ich in die Klinik gegangen. Dort wurde ich aufgenommen.<\/p>\n<p>Ein Betroffener berichtet:<\/p>\n<p>Ich habe zwei N\u00e4chte nicht geschlafen und bin dann abends in die Klinik gegangen. Dort habe ich \u00fcbertrieben, damit ich aufgenommen werde. Ich habe dann ein weiteres Medikament bekommen.<\/p>\n<p>Herr Keutgen berichtet:<\/p>\n<p>Angeh\u00f6rige sind meist in Akutsituationen \u00fcberfordert. Besonders, wenn diese zum ersten Mal auftreten. Sie k\u00f6nnen das Ausma\u00df nicht einsch\u00e4tzen und wissen nicht wie sie handeln sollen. Vieles wird zun\u00e4chst verdr\u00e4ngt (zum Beispiel, dass ein Familienmitglied psychisch krank sein k\u00f6nnte).<\/p>\n<p>Folgende Anmerkungen gibt es dazu in der Runde:<\/p>\n<p>Psychische Erkrankungen sind ein Tabu. Angeh\u00f6rige m\u00fcssen lernen mit den Erkrankten umzugehen. Geb\u00fcndelte Informationen f\u00fcr Angeh\u00f6rige fehlen. Bei bestimmten psychischen Erkrankungen gibt es ein besonderes Stigma (z. B. bei Psychosen).<br \/>\nEine Angeh\u00f6rige berichtet:<\/p>\n<p>Sie erinnert sich an die Erstsituation mit ihrem Mann. \u201eWir sind gemoppt worden. Es grenzte an Verfolgung. Mein Mann hat mit viel Elan versucht dagegen anzugehen. Ich war etwas zur\u00fcckhaltender dabei. In seinem Eifer fing er pl\u00f6tzlich an von abgeh\u00f6rten Telefonen zu sprechen, weil er sich sonst nicht erkl\u00e4ren konnte, wie die anderen von bestimmten Dingen erfahren haben. Er schlief nicht mehr richtig und lief irgendwann nachdenkend hin und her. Er sprach immer mehr von Abh\u00f6rger\u00e4ten und \u00e4hnlichen Dingen. Ich merkte, dass er abdriftete. Wir suchten dann zun\u00e4chst einen Hausarzt auf, der ihm eine Spritze gab, die eine Zeit wirkte. Nach einem Monat musste er in die Klinik. Seit dem Klinikaufenthalt war alles viel schlimmer. Den Aufenthalt hat er als traumatisch empfunden. Dagegen hat er nie eine Therapie erhalten.\u201c<\/p>\n<p>Herr Caspers Kiok weist darauf hin, dass es nach einer Psychose oftmals zu einer Depression kommen kann. Diese muss dann behandelt werden, d. h. der Patient muss medikament\u00f6s umgestellt werden. Dies kann auch station\u00e4r erfolgen. Eine Psychotherapie nutz in diesem Fall wenig.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend werden folgende Aussagen get\u00e4tigt:<\/p>\n<p>Erkrankte m\u00fcssen zustimmen, dass Angeh\u00f6rige mit dem Arzt sprechen. Es sei denn sie sind zeitgleich gesetzlicher Betreuer.<\/p>\n<p>Herr Keutgen erg\u00e4nzt:<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil der Betroffenen ist nicht krankheitseinsichtig. In diesen F\u00e4llen ist eine Unterst\u00fctzung nicht m\u00f6glich. Die Angeh\u00f6rigen befinden sich oftmals in einem Zwiespalt, ob der \/ die Betroffene in die Klinik eingewiesen werden muss. Besteht eine gute Bindung zwischen der \/ dem Erkrankten und der \/ dem Angeh\u00f6rigen ist eine \u201eEinweisung\u201c nicht einfacher, denn Angeh\u00f6rige wie Erkrankte bleiben alleine zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend wird berichtet, dass eine gesetzliche Betreuung eine \u201eEinweisung\u201c leichter vornehmen kann. Angeh\u00f6rige werden oft als Kontrolleure erlebt.<\/p>\n<p>Bzgl. der Medikamente wird erg\u00e4nzt, dass diese erst nach einigen Wochen wirken. Es m\u00fcssen die \u201epassenden\u201c Medikamente gefunden werden.<\/p>\n<p><b>2. Auf der Flipchart wird festgehalten: Welche praktischen Hilfen gibt es? <\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Behandelnden Arzt anrufen<\/li>\n<li>Zur Klinik fahren \/ gehen (Aufnahme)<\/li>\n<li>PsychKG<\/li>\n<li>Bedarfsmedikation<\/li>\n<li>Notruf 110 \/ 112<\/li>\n<li>Behandelnden Arzt (mit den Angeh\u00f6rigen) aufsuchen<\/li>\n<li>Gesetzliche Betreuung kontaktieren<\/li>\n<li>Ordnungsamt kontaktieren<\/li>\n<li>Freunde und Verwandt mit einbeziehen<\/li>\n<li>Konsequentes Handeln \/ abgrenzen<\/li>\n<li>Ruhe bewahren<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>3. Es wird besprochen, welche Gef\u00fchle \u2013 Emotionen die Angeh\u00f6rigen in solchen Situationen haben:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Der Partner hat aggressiv reagiert; aus Angst und Hilflosigkeit.<\/li>\n<li>Es gibt Ablehnung und Schuldzuweisung durch Dritte, speziell bei erkrankten Kindern \u2013 hier sei die falsche Erziehung Schuld.<\/li>\n<li>Die Krankheit soll als Lebenserfahrung dienen.<\/li>\n<li>Angeh\u00f6rige m\u00fcssen sich sch\u00fctzen<\/li>\n<li>Das Erkennen einer psychischen Erkrankung ist besonders im Jugendalter schwierig. Oftmals gibt es im Jugendalter \u201egesundes\u201c Protestverhalten, R\u00fcckzug und andere Abweichungen. Hier stellt sich die Frage: Was ist gesund, was ich krankheitsbedingt?<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Weitere Nennungen sind:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Angeh\u00f6rige sollten Ruhe bewahren.<\/li>\n<li>Wut<\/li>\n<li>Zweifel<\/li>\n<li>Bedrohen, bevormunden, anweisen<\/li>\n<li>Nicht ernst genommen werden in der Aufnahmestation<\/li>\n<li>Selbstvorw\u00fcrfe, innere Leere<\/li>\n<li>Hilfloser Zustand<\/li>\n<li>Alte Geschichten kommen hoch<\/li>\n<li>Schuldzuweisung \/ Abwertung<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Erg\u00e4nzt wurden diese Gef\u00fchle mit folgenden Forderungen<\/b><\/p>\n<p>Es fehlen konkrete Anlaufstellen. Es sollte ein \u201eB\u00fcndnis gegen Psychosen\u201c geben. In der \u00d6ffentlichkeit muss mehr Information und Transparenz erfolgen, z. B. \u00fcber die lokale Tageszeitung und das lokale Radio (EDR \u2013 Radio Rur) Die Einrichtung eines Krisen &#8211; Caf\u00e9s \/ Krisendienstes kann sinnvoll sein (das gibt es in Olpe) Eine Krisentelefonnummer k\u00f6nnte helfen.<\/p>\n<p><b>Abschlussrunde<\/b> \u2013 ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den G\u00e4sten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 21. November 2012 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr Moderation: Frau Sieburg; Protokoll: Frau Dangel Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums: Herr Keutgen, Leiter der Selbsthilfegruppe f\u00fcr Angeh\u00f6rige psychisch Kranker und als Vertreter der LVR Klinik Herr Casper \u2013 Kiock. Es wird das Psychoseseminar vorgestellt und Hintergr\u00fcnde dazu erl\u00e4utert. Der Einstieg erfolgt [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":14,"menu_order":-119,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/288"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=288"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/288\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}