{"id":268,"date":"2011-09-21T18:19:23","date_gmt":"2011-09-21T16:19:23","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=268"},"modified":"2011-09-21T18:19:23","modified_gmt":"2011-09-21T16:19:23","slug":"was-ist-psychose-erkennung-und-fruehwarnsymptome","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=268","title":{"rendered":"Was ist Psychose?- Erkennung und Fr\u00fchwarnsymptome"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 21.09 2011 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation und Protokoll: Frau Kinzel<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und des Gastes, Fr. Dr. K\u00f6rdel (LVR-Klinik D\u00fcren)<\/p>\n<p><b>1. Zum Einstieg in das Thema wird in die Runde gefragt, was f\u00fcr die Teilnehmer Psychose bedeutet, wie sie diese erkl\u00e4ren w\u00fcrden:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>psychische Erkrankung<\/li>\n<li>Stimmen h\u00f6ren<\/li>\n<li>sich bedroht f\u00fchlen \u2013 bis hin zum Verfolgungswahn<\/li>\n<li>Gereiztheit<\/li>\n<li>Aus Sicht einer Angeh\u00f6rigen wird benannt, dass Psychose l\u00e4stig sei, Arbeit bedeute, es unwahrscheinlich anstrengend f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen sei<\/li>\n<li>Antriebslos sein<\/li>\n<li>R\u00fcckzug<\/li>\n<li>\u201eImmer an einem Thema h\u00e4ngen bleiben\u201c \u2013 das Thema, was denjenigen im Wahn besch\u00e4ftigt<\/li>\n<li>Nicht mehr reden wollen<\/li>\n<li>\u201eRealit\u00e4tsrisse\u201c \/ Realit\u00e4tsverlust<\/li>\n<li>Bestimmte Gruppe von seelischen Erkrankungen<\/li>\n<li>\u201eMan muss ins Krankenhaus \u2013 kann nicht mehr alleine sein\u201c, meint ein Teilnehmer<\/li>\n<li>Hierauf gibt es das Gegenargument eines anderen Teilnehmers, dass Menschen, die es gew\u00f6hnt sind, Stimmen zu h\u00f6ren dies aushalten und auch h\u00e4ufig gar nicht ins Krankenhaus m\u00f6chten<\/li>\n<li>Es folgt eine weitere Diskussion dar\u00fcber, ob Suizidgedanken aus einer \u201eEingebung\u201c (befehlende Stimmen) kommen und somit Teil der Erkrankung seien<\/li>\n<li>Des weiteren wird eine St\u00f6rung der \u201eIch-Grenze\u201c benannt (z.B. meinen manche Menschen in der Psychose, das was im Radio gesagt wird, sei auf sie bezogen)<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Zusammenfassend kann eine Psychose als Realit\u00e4tsverlust unterschiedicher St\u00e4rke und Ausformung bezeichnet werden<\/b><\/p>\n<p><b>1 a.) Bei welchen Krankheitsbildern kommen psychotische Symptome vor?<\/b><\/p>\n<p><b>Schizophrenie<\/b><\/p>\n<p>Bestimmte Kriterien m\u00fcssen lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel erf\u00fcllt sein: z.B. Wahnwahrnehmungen, Stimmen h\u00f6ren (dialogische oder Befehle erteilende), das Denken ist zerfahren, nicht mehr geordnet<\/p>\n<p>Ein Teilnehmer bringt den Begriff der \u201eBewusstseinsspaltung\u201c ein &#8211; lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel spricht man heute eher von einem Realit\u00e4tsverlust, der mindestens 2 Wochen anh\u00e4lt<\/p>\n<p>Hier wird von einem Teilnehmer nach Paranoia gefragt:<\/p>\n<p>Lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel ist zu unterscheiden zwischen:<\/p>\n<p>Paranoider Schizophrenie (einer Unterform der Schizophrenie) und<\/p>\n<p><b>Paranoia<\/b> (Ebenfalls eine psychotische St\u00f6rung, die aber die Kriterien der Schizophrenie nicht erf\u00fcllt)<\/p>\n<p><b>Depression (mit psychotischen Symptomen)<\/b><\/p>\n<p>Diese spezielle Form der Depression geht mit psychotischen Symptomen einher. Lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel kann dies z.B. an einem Verarmungswahn deutlich werden.<\/p>\n<p>Ein Teilnehmer berichtet, dass er lange Zeit dachte, dass er Depressionen habe \u2013 bis er die Diagnose erhielt:<\/p>\n<p><b>Bipolare Affektive St\u00f6rung<\/b><\/p>\n<p>Bei dieser Erkrankung gibt es einen Wechsel von Depression und Manie<\/p>\n<p><b>Manie (mit psychotischen Symptomen)<\/b><\/p>\n<p>Extrem gehobene Stimmung, Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung (so berichtet ein Teilnehmer gemeint zu haben, ganz viele Dinge auf einmal machen zu k\u00f6nnen)<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfenideen, die in Wahn m\u00fcnden k\u00f6nnen<\/p>\n<p><b>Schizoaffektive St\u00f6rung<\/b><\/p>\n<p>Deutlich depressive oder manische Symptome treten zeitgleich mit schizophrenen Symptomen auf.<\/p>\n<p><b>Borderline Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung<\/b> (mit kurzen psychotischen Phasen)<\/p>\n<p>Im Rahmen dieser Erkrankung k\u00f6nnen lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel eher selten kurze Psychosen auftreten (sogenannte Mikropsychosen).Ein Betroffener berichtet, dass einer seiner Arbeitskollegen dies manchmal f\u00fcr wenige Sekunden habe und sich sp\u00e4ter an nichts mehr erinnere \u2013 lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel kann dies auch schon mal mehrere Tage andauern, jedoch keine 2 Wochen.<\/p>\n<p><b>Des Weiteren werden noch benannt:<\/b><\/p>\n<p><b>Drogeninduzierte Psychose:<\/b><\/p>\n<p>Drogenkonsum (z.B. Cannabis) hat lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel einen hohen Risikofaktor, allerdings kommen weitere Faktoren hinzu, wie beispielsweise Vulnerabilit\u00e4t \/ genetische Veranlagung, Lebenskrisen, Stress etc.<\/p>\n<p><b>Organische Erkrankung:<\/b><\/p>\n<p>Beispielsweise bei einer Hirnerkrankung \/ Tumor k\u00f6nnen psychotische Symptome entstehen<\/p>\n<p><b>Demenz<\/b><\/p>\n<p><b>Alkoholdelir oder bei Alkoholentzug<\/b><\/p>\n<p>Von einem Teilnehmer wird nachgefragt, woher der Begriff Psychose stammt:<\/p>\n<hr \/>\n<p>Der Begriff wurde 1845 von Ernst von Feuchtersleben erstmals verwendet. Das Wort Psychose kam ins Deutsche nach Art franz\u00f6sischer Fachw\u00f6rter mit franz\u00f6sischer Endung vom griechischen \u03c8\u03cd\u03c7\u03c9\u03c3\u03b9\u03c2, ps\u00fdch\u014dsis, urspr\u00fcnglich \u201eBeseeltheit\u201c, von \u03c8\u03c5\u03c7\u03ae, psych\u00e9, \u201eSeele\u201c, \u201eGeist\u201c und Endung -\u03bf\u03c3\u03b9\u03c2, -osis, \u201e[krankhafter] Zustand\u201c; jeweils altgriechische Aussprache. Quelle: <a class=\"external free\" href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Psychose\" rel=\"nofollow\">http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Psychose<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p><b>2. Verlauf von Psychosen<\/b><\/p>\n<p>Der Verlauf von Psychosen ist sehr unterschiedlich:<\/p>\n<ul>\n<li>einmalige Psychose<\/li>\n<li>mehrmalige psychotische Sch\u00fcbe im Laufe des Lebens<\/li>\n<li>Chronifizierung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ein Teilnehmer berichtet, dass er schon mehrmals eine Psychose gehabt habe, die Abst\u00e4nde dazwischen aber immer gr\u00f6\u00dfer werden. Lt. Fr. Dr. K\u00f6rdel h\u00e4ngt dies vom Umgang mit der Erkrankung ab, der sehr wichtig sei und benennt:<\/p>\n<ul>\n<li>Stressvermeidung<\/li>\n<li>Medikament\u00f6se Einstellung<\/li>\n<li>Selbsthilfegruppen<\/li>\n<li>Austausch\/Information wie bspw. Psychoseseminar<\/li>\n<li>Ein Betroffener erg\u00e4nzt: kleine Schritte\/Geduld,<\/li>\n<li>Hilfe bei Psychologen\/Psychotherapeuten suchen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Zusammenhang mit dem Umgang mit der Erkrankung ist es ganz wesentlich, auf Fr\u00fchwarnsymptome zu achten.<\/p>\n<p><b>Klassische Fr\u00fchwarnsymptome:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Schlafst\u00f6rungen (z.B. 2 N\u00e4chte nicht schlafen k\u00f6nnen)<\/li>\n<li>Konzentrationsschw\u00e4che<\/li>\n<li>Denkst\u00f6rungen (z.B. sprunghaftes Denken)<\/li>\n<li>R\u00fcckzug (v.a. auch bei Depression)<\/li>\n<li>Antriebslosigkeit (bei Manie nicht)<\/li>\n<li>Totale Interessenslosigkeit (v.a. bei Depression, aber auch bei Schizophrenie)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es gibt noch eine Diskussion \/ Beitr\u00e4ge dazu, dass <b>Fr\u00fchwarnsymptome sehr individuell sein k\u00f6nnen.<\/b> Aus Sicht einer Angeh\u00f6rigen war es f\u00fcr sie ein Warnzeichen, wenn der Partner nicht mehr rauchte, kein Bier mehr trank, besonders \u201elieb\u201c war, und damit dem Verfolgungswahn ausweichen wollte.<\/p>\n<p>Im Plenum wird versucht, die Symptome den zuvor unter 1. genannten Krankheitsbildern, bei denen Psychosen vorkommen zuzuordnen.<\/p>\n<p><b>Versuch einer Zuordnung von Fr\u00fchwarnsymptomen bei folgenden Krankheitsbildern:<\/b><\/p>\n<p><b>Schizophrenie:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Schlafst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Konzentrationsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Subjektiv schnelleres Denken<\/li>\n<li>Gereizte\/gehobene Stimmung<\/li>\n<li>Wahrnehmungsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Verstummen (Misstrauen) oder Rededrang<\/li>\n<li>Ichbezogenheit<\/li>\n<li>Fremdheitsgef\u00fchl<\/li>\n<li>Gedankenrisse \/ Assoziationsketten<\/li>\n<li>Gesprochene W\u00f6rter verdrehen<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Depression (mit psychotischen Symptomen):<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Schlafst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Konzentrationsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Gleichg\u00fcltigkeit<\/li>\n<li>Interessenlosigkeit<\/li>\n<li>Vermehrte \u00c4ngstlichkeit<\/li>\n<li>Sprachlosigkeit (keine Lust zu reden)<\/li>\n<li>R\u00fcckzug<\/li>\n<li>Fremdheitsgef\u00fchl der Umgebung gegen\u00fcber<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Manie (mit psychotischen Symptomen):<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Schlafst\u00f6rungen (wenig Schlaf)<\/li>\n<li>Konzentrationsst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Gereizte Stimmung \/ extrem gehobene Stimmung<\/li>\n<li>Rededrang<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Bipolare affektive St\u00f6rung:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>siehe Depression und Manie<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Schizoaffektive St\u00f6rung:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>siehe Schizophrenie in Kombination mit Depression oder Manie<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Borderline Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung (mit kurzen psychotischen Phasen):<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Schlafst\u00f6rungen<\/li>\n<li>Konzentratiosst\u00f6rungen<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Abschlussrunde<\/b> \u2013 ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den G\u00e4sten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 21.09 2011 von 19.00 \u2013 20:45 Uhr Moderation und Protokoll: Frau Kinzel Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und des Gastes, Fr. Dr. K\u00f6rdel (LVR-Klinik D\u00fcren) 1. 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