{"id":258,"date":"2010-12-15T17:59:25","date_gmt":"2010-12-15T15:59:25","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=258"},"modified":"2010-12-15T17:59:25","modified_gmt":"2010-12-15T15:59:25","slug":"qualitaetsmanagement-in-der-klinik-kann-man-damit-die-klinik-verbessern","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=258","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tsmanagement in der Klinik! &#8211; Kann man damit die Klinik verbessern?"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 15.12.2010 von 19.00 \u2013 20.45 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Moderation und Protokoll: Fr. Kinzel<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und des Gastes, Frau Dr. Harms (LVR-Rheinische Kliniken, D\u00fcren)<\/p>\n<p><b>Verschiedene Themen, die mit dem Qualit\u00e4tsmanagement der Klinik in Zusammenhang stehen wurden von den Teilnehmern benannt und im Plenum diskutiert; wie ist die aktuelle Situation der Qualit\u00e4tsstandards; was wurde bereits verbessert und was w\u00e4re noch zu verbessern:<\/b><\/p>\n<p><b>Behandlungsvereinbarung<\/b><\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df einer Teilnehmerin gab es vor ca. 10 Jahren bzgl. der Behandlungsvereinbarung eine Arbeitsgruppe mit monatlichen Treffen, die sich jedoch schon vor l\u00e4ngerer Zeit aufgel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich hat es zudem einen Wechsel der Klinikleitung gegeben, mit der seinerzeit die von Patienten gew\u00fcnschten Behandlungsvereinbarungen individuell besprochen wurden und von der Klinikleitung mit unterschrieben wurden. Die Behandlungsvereinbarung m\u00fcsste mit der neuen Klinikleitung erneut besprochen werden.<\/p>\n<p>Ein Teilnehmer berichtet, dass es vorkam, dass bei Aufnahme in der Klinik die Behandlungsvereinbarung erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt hinzugezogen wurde.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem m\u00fcsse das Thema f\u00fcr Betroffene transparenter gemacht werden; es wird gew\u00fcnscht, dass z.B. im Entlassgespr\u00e4ch von Seiten der Klinik auf die M\u00f6glichkeit einer Behandlungsvereinbarung hingewiesen wird.<\/p>\n<p>Die Behandlungsvereinbarung sei eine sehr wichtige M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Patienten sich selbst zu sch\u00fctzen. Nicht selten komme es vor, dass ein Patient im Aufnahmegespr\u00e4ch die Kommunikation sabotiert, z.B. aufgrund von Verfolgungswahn.<\/p>\n<p>Frau Harms berichtet, dass neben der Behandlungsvereinbarung in Akutaufnahme-Situationen immer schon die Akte des letzten Aufenthalts vorhanden sei \u2013 und dies seit Einf\u00fchrung des internen EDV-Systems noch verbessert worden sei; dort finden sich sofort die alten Entlassberichte, aus der Entlassmedikation, Verlaufsmedikation etc. zu ersehen sei. Nach Einf\u00fchrung des Qualit\u00e4tsmanagements (Zertifizierung) werde das Vernetzungssystem noch konkreter gepflegt.<\/p>\n<p>Eine Angeh\u00f6rige berichtet, dass dies fr\u00fcher nicht so gewesen sei. Im Aufnahmegespr\u00e4ch wurde sie als Angeh\u00f6rige \u00fcber den Betroffenen befragt und wenn die ben\u00f6tigten Unterlagen da gewesen seien, habe sie sich abgeschoben gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Frau Harms wird mit Frau Lemmer, der Qualit\u00e4tsbeauftragten der Rheinischen Kliniken D\u00fcren, die im Seminar angesprochenen Themen bzgl. der Behandlungsvereinbarung besprechen.<\/p>\n<p><b>Setzen von Medikamenten:<\/b><\/p>\n<p>Ein Teilnehmer berichtet, dass bei ihm in der Vergangenheit bereits Medikamente von Seiten des Pflegepersonals falsch gesetzt\/verwechselt wurden.<\/p>\n<p>Frau Harms r\u00e4umt ein, dass eine \u00c4nderung hinsichtlich des Stellen und der Austeilung der Medikamente erfolgt ist. Derjenige vom Pflegepersonal, der die Medikation f\u00fcr die Patienten zusammen stellt (alleine in einem Raum, das Telefon sei aus), teile die Medikamente dann auch aus. Fr\u00fcher wurden die Medikamente teils bereits von der Nachtschicht gestellt und morgens von der Fr\u00fchschicht verteilt.<\/p>\n<p><b>Gewalt in der Psychiatrie\/Fixierungen<\/b><\/p>\n<p>Lt. Frau Harms wird \u00fcber s\u00e4mtliche Fixierungsma\u00dfnahmen Buch gef\u00fchrt. Statistisch gesehen sind Fixierungen r\u00fcckl\u00e4ufig. Es gibt ein regelm\u00e4\u00dfiges Deeskalationstraining f\u00fcr das gesamte Klinikpersonal (\u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte). Das Deeskalationstraining zielt vor allem auf Gespr\u00e4chstechniken ab, die bei \u00c4ngsten und Panik von Patienten zu einer Entspannung von Krisensituationen f\u00fchren soll. Die Trainings werden kontinuierlich wiederholt. Ein Teilnehmer w\u00fcnscht sich mehr Transparenz bzgl. des Fixierraumes, er meint gerade hier \u201eranken sich Mythen um die Klapsm\u00fchle\u201c. Frau Harms weist darauf hin, dass Fixierungen nur bei absoluter Notwendigkeit vorgenommen werden. F\u00fcr die Fixierung gibt es eine klare Rechtsgrundlage \u2013 das <b>PsychKG (Psychisch-Kranken-Gesetz)<\/b>, welches nur bei Fremd- und Eigengef\u00e4hrdung greift. Ein Patient kann nur unter dieser Voraussetzung gegen seinen Willen festgehalten werden und dies auch nur f\u00fcr die Dauer, f\u00fcr die eine Richterliche Zustimmung vorliegt. Mehrfach im Jahr kommt unangemeldet eine <b>PsychKG-Kommission<\/b> (Fachleute, Patienten, Angeh\u00f6rige, Rechtsvertreter) in die Klinik. Die Stationen werden begangen, es wird gepr\u00fcft, ob Vorschriften eingehalten werden und alle Eintr\u00e4ge gemacht wurden. Frau Harms weist im Bezug auf die angesprochene Mystifizierung auf die \u00d6ffnung der Klinik durch Infoveranstaltungen und den Tag der offenen T\u00fcr hin, der bis in die Forensik hineinreicht.<\/p>\n<p>Es wird dar\u00fcber diskutiert, wie menschenunw\u00fcrdig die Klinik in fr\u00fcheren Zeiten war und dass sich durch Einf\u00fchrung von Qualit\u00e4tssicherungen und Kontrollen die Klinik von einer reinen Verwahranstalt wegentwickelt hat. Menschenunw\u00fcrdige Behandlungsmethoden wie Hei\u00dfwasser- und Insulinbehandlungen, Elektroschocks bis hin zu Zwangssterilisationen in der Nazizeit sind heute \u00fcberwunden.<\/p>\n<p>Die Stationen wurden lt. Frau Harms im Laufe der Jahre immer weiter verkleinert, so dass die Anzahl der Patienten pro Station verringert wurde. Gerade in der Akutaufnahmestation spiele es eine gro\u00dfe Rolle, die Menschen vor Reiz\u00fcberflutung zu sch\u00fctzen, allerdings muss man auch einr\u00e4umen, dass die Klinik die Versorgungspflicht f\u00fcr das Einzugsgebiet hat, so dass zeitweise doch mehr Patienten aufgenommen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p><b>Beschwerdem\u00f6glichkeiten in der Klinik<\/b><\/p>\n<p><b>Ombudsstelle in der Klinik<\/b><\/p>\n<p>Die Ombudsstelle in den Rheinischen Kliniken D\u00fcren ist seit 12 Jahren durch Frau Helga Quednau besetzt. Frau Quednau ist als Ombudsfrau eine unabh\u00e4ngige Anlaufstelle f\u00fcr Beschwerden und Anregungen. Sie ist vom Kliniktr\u00e4ger, dem LVR in K\u00f6ln vor 12 Jahren gew\u00e4hlt worden und ist seitdem ehrenamtlich t\u00e4tig \u2013 und somit unabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Zu erreichen ist Frau Quednau zu unterschiedlichen Zeiten in Haus 10, unter der folgenden Telefonnr.: 02421-402455.<\/p>\n<p><b>Anregungs- und Beschwerdemanagement in der Klinik<\/b><\/p>\n<p>Lt. E-Mail von Frau Lemmer (Qualit\u00e4tsbeauftragte der Rheinischen Kliniken, D\u00fcren) k\u00f6nnen noch folgende Punkte f\u00fcr das Protokoll bzgl. des Anregungs- und Beschwerdemanagement der Klinik erg\u00e4nzt werden:<\/p>\n<ul>\n<li>Auf allen Stationen des Krankenhausbereichs liegt das Formular &#8222;Ihre Meinung ist uns wichtig&#8220; aus. Hiermit k\u00f6nnen Patienten, Angeh\u00f6rige und Kooperationspartner Beschwerden, Lob und Anregungen \u00e4u\u00dfern. Zudem haben alle Stationen blaue Briefk\u00e4sten\u00a0zur Abgabe. Patienten werden bei Aufnahme \u00fcber diese M\u00f6glichkeit der Meinungs\u00e4u\u00dferung informiert.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Briefk\u00e4sten werden w\u00f6chentlich geleert und durch\u00a0die \u00e4rztliche und pflegerische Abteilungsleitung bearbeitet. H\u00e4ufig wird direkt mit den Meldenden Kontakt aufgenommen und &#8211; ggf. in Zusammenarbeit mit\u00a0der technischen oder Wirtschaftsabteilung &#8211; Ma\u00dfnahmen\u00a0abgeleitet. Der\u00a0bearbeitete Bogen wird dann\u00a0Frau Lemmer\u00a0(QM) zugeleitet und statistisch erfasst.\u00a0Monatlich legt sie dann die eingegangenen Hinweise dem Klinikvorstand vor, der aus \u00c4rztlicher und\u00a0Pflegedirektorin sowie dem kaufm\u00e4nnischen Direktor besteht. Diese pr\u00fcfen nochmals, ob eine angemessene Bearbeitung erfolgt ist und ggf. noch weitere Ma\u00dfnahmen eingeleitet werden m\u00fcssen. Erst nach vollst\u00e4ndiger Bearbeitung\u00a0wird der Fall abgeschlossen. Dieses Anregungs- und Beschwerdemanagement ist seit Jahren in der Klinik eingef\u00fchrt und wurde mehrfach verbessert. Die Bearbeitung wird von allen beteiligten Mitarbeitern sehr ernst genommen. In vielen F\u00e4llen \u00e4u\u00dfern die Beschwerenden eine hohe Zufriedenheit mit der schnellen Bearbeitung.<\/p>\n<ul>\n<li>Halbj\u00e4hrlich\u00a0wertet die Klinik die eingegangenen Meldungen statistisch aus, um zu untersuchen, ob es bei bestimmten Themen H\u00e4ufungen gibt und weitere Ma\u00dfnahmen eingeleitet werden m\u00fcssen.<\/li>\n<li>Kommen Beschwerden \u00fcber die Beschwerdestelle des LVR, wird die Bearbeitung durch die kaufm\u00e4nnische Direktion veranlasst. Innerhalb von 2 Wochen wird der Fall bearbeitet.<\/li>\n<li>\u00dcber das zentrale Beschwerdemanagement des LVR erh\u00e4lt die Klinik eine Auswertung \u00fcber die bei der Beschwerdestelle eingegangenen Meldungen. Zudem wird die Statistik des eigenen Anregungs- und Beschwerdemanagement zum Tr\u00e4ger nach K\u00f6ln geschickt.<\/li>\n<li>F\u00fcr die forensisch untergebrachten Patienten gibt es ein eigenes Verfahren in Zusammenarbeit mit dem Tr\u00e4ger.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Abschlussrunde<\/b> &#8211; ein Stein wird in die Runde gegeben: Was hat Ihnen diese Veranstaltung gebracht? (Was nehmen Sie mit? Was lassen Sie hier?) Verabschiedung und Bedanken bei den G\u00e4sten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 15.12.2010 von 19.00 \u2013 20.45 Uhr Moderation und Protokoll: Fr. 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