{"id":179,"date":"2006-05-17T15:52:00","date_gmt":"2006-05-17T13:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=179"},"modified":"2006-05-17T15:52:00","modified_gmt":"2006-05-17T13:52:00","slug":"gewalt-in-der-psychiatrie-aus-der-sicht-der-betroffenen-der-angehoerigen-und-psychiatrisch-taetigen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=179","title":{"rendered":"Gewalt in der Psychiatrie &#8211; Aus der Sicht der Betroffenen, der Angeh\u00f6rigen und psychiatrisch T\u00e4tigen"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 17.05.2006<\/b><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der \u00c4rztin Fr. Dr. Knittel und des Arztes Hr. Dr. Galke die in der RKD t\u00e4tig sind<\/p>\n<p><b>Warm up<\/b><\/p>\n<p>Es sind je 1 Karte mit 2 S\u00e4tzen f\u00fcr die Gruppen der Betroffenen, Angeh\u00f6rigen und psychiatrisch T\u00e4tigen vorbereitet worden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Gruppe der Psychiatrie-Erfahrenen sind nachfolgende S\u00e4tze formuliert worden:<\/p>\n<ul>\n<li>1.Betroffene k\u00f6nnen von \u00c4rzten und Angeh\u00f6rigen Gewalt erfahren.<\/li>\n<li>2.Betroffene k\u00f6nnen von anderen Betroffenen Gewalt erfahren und Gewalt an anderen Betroffenen erleben.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Gruppe der Angeh\u00f6rigen wurden folgende S\u00e4tze formuliert:<\/p>\n<ul>\n<li>1.Angeh\u00f6rige k\u00f6nnen von Betroffenen Gewalt erfahren.<\/li>\n<li>2.Angeh\u00f6rige k\u00f6nnen von Profis eingesch\u00fcchtert und ausgeschlossen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Gruppe der psychiatrisch T\u00e4tigen wurden folgende S\u00e4tze formuliert:<\/p>\n<ul>\n<li>1.Profis k\u00f6nnen von Betroffenen Gewalt erfahren.<\/li>\n<li>2.Profis k\u00f6nnen vom Arbeitssystem demoralisiert und \u00fcberfordert sein.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Karten werden in zwei Runden vorgetragen.<\/p>\n<p>Die erste Frage ins Auditorium lautet:<\/p>\n<p><b>1. Welche Gewalterfahrung haben sie in der Psychiatrie gemacht?<\/b><\/p>\n<p>Dazu werden unterschiedliche Meinungen kundgetan:<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Besucher war es der Entzug von Grund- und Wahlrecht. Die Gesellschaft habe Angst vor seelisch Erkrankten und die Integration bzw. Reintegration finde nicht statt. Unbequeme Patienten w\u00fcrden bequem gemacht. Die Pharmaindustrie w\u00fcrde daran verdienen.<\/p>\n<p>Ein anderer Besucher hat passiv mit ansehen wie eine Frau fixiert wurde, die dann von Mitpatienten befummelt wurde und unter sich machen musste. Darin war f\u00fcr den Betroffenen Seminarbesucher eine zus\u00e4tzliche Traumati-sierung zu sehen. Fixierung wird insgesamt als ein Akt der Gewaltt\u00e4tigkeit gegen\u00fcber psychisch Erkrankten angesehen. Jedoch wird auch der Aspekt betont, dass es Situationen gibt, in denen man die Reaktionen des Gegen\u00fcbers nicht mehr einsch\u00e4tzen kann. Jemand k\u00f6nnte sich oder anderen Schaden zuf\u00fcgen. Es gibt Situationen, in denen jemand tobt und sich am n\u00e4chsten Tag nicht mehr daran erinnert. Ein Teilnehmer sollte eine Spritze bekommen und dachte er bekommt eine Todesspritze und wurde dann fixiert. F\u00fcr eine Teilnehmerin ist die gezwungene Einnahme von Medikamenten ein Akt der Gewaltt\u00e4tigkeit. Sie vermisst die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Medikamente (Neben-wirkungen und Langzeitwirkung), die man ihr zur Einnahme verschreibt.<\/p>\n<p>In Verlauf des Seminars kommt es zur Verdichtung des Themas um den Begriff \u201eCompliance\u201c. Darunter versteht man Einvernehmen und Miteinander mitgehen (Arzt und Patient). Eine Teilnehmerin erz\u00e4hlt, dass sie die Medikation ver\u00e4ndern m\u00f6chte, jedoch nicht im Einvernehmen mit der behandelnden \u00c4rztin ist. Wie kommt man nun zur Compliance mit \u00c4rztin und Betreuerin? Es wird der Entwurf einer Strategie f\u00fcr sie erarbeitet. Sie kann zusammen mit der Betreuerin einen Termin bei der \u00c4rztin machen und sich einen differenzierten Notfallplan erstellen. Darin werden Situationen vorbereitet, in denen die Betroffenen selbst handeln kann, wenn z.B. die Medikation erniedrigt wird. Was kann ich tun, wenn sich mein Zustand verschlechtert? Welche Bedarfsmedikation nehme ich in welcher Dosierung. Es wird auch noch ge\u00e4u\u00dfert, dass in der Soteria-Bewegung die Verschiebung der Verantwortung von der Betroffenen\/ dem Betroffenen auf andere stattfindet. So \u00fcbernimmt jemand nicht f\u00fcr sich selbst die Verantwortung und geht nicht aus der Klinik hinaus (bei Zwangseinweisung \u2013 geschlossener Unterbringung), sondern wird von Fremden davon abgehalten zu gehen.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Es folgt eine Pause von etwa 10 Minuten.<\/p>\n<p>Danach wird die zweite Frage gestellt:<\/p>\n<p><b>2. Wie kann ich Gewalt in der Psychiatrie verringern?<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Es werden nachfolgende Gedanken dazu ge\u00e4u\u00dfert:<\/li>\n<li>Man k\u00f6nnte Behandlungsvereinbarungen machen. Diese vor oder nach einem Schub in einem Zustand der Klarheit.<\/li>\n<li>Man k\u00f6nnte sich das Ranking von \u00c4rzten im Internet anschauen, bevor man sich in die Klinik verbringt<\/li>\n<li>\u00c4rzte sollten den Patienten vor der Einnahme eines oder mehrerer Medikamente leichter eine Medikamentenbeschreibung geben.<\/li>\n<li>die Station H 11 sollte mehr ge\u00f6ffnet werden<\/li>\n<li>sich selbst besser abgrenzen<\/li>\n<li>\u00dcber pflegerische Ma\u00dfnahmen mehr informiert werden, dass nimmt die \u00c4ngste<\/li>\n<li>In den Kliniken durch mehr Aufkl\u00e4rung die Angst nehmen<\/li>\n<li>Als Angeh\u00f6rige mit dazu genommen werden<\/li>\n<li>Ruhige Atmosph\u00e4re auf Station schaffen<\/li>\n<li>Schreitherapie<\/li>\n<li>Passives Verhalten &#8211; keine Panik<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>3. Blitzlicht (Was nehme ich heute Abend f\u00fcr mich mit?)<\/b><\/p>\n<p>Frau Dr. Knittel teilt mit, dass sie das Seminar nun 3 Jahre begleitet habe und nun, haupts\u00e4chlich aus zeitlichen Gr\u00fcnden nicht mehr weiter begleiten wird. Hr. Dr. Galke meldet dies ebenso an. Beide wollen sich jedoch um Nachfolger in der Klinik bem\u00fchen.<\/p>\n<p>Es folgt noch ein Hinweis auf das n\u00e4chste Seminar am 21. Juni 2006 zum Thema: Sonderstatus f\u00fcr Psychose \u2013 Erfahrene? \u2013 M\u00fcssen Psychose \u2013 Erfahrene in Watte gepackt werden?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 17.05.2006 Zun\u00e4chst erfolgt die Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der \u00c4rztin Fr. Dr. Knittel und des Arztes Hr. Dr. Galke die in der RKD t\u00e4tig sind Warm up Es sind je 1 Karte mit 2 S\u00e4tzen f\u00fcr die Gruppen der Betroffenen, Angeh\u00f6rigen und psychiatrisch T\u00e4tigen vorbereitet worden. 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