{"id":163,"date":"2005-04-20T15:15:14","date_gmt":"2005-04-20T13:15:14","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=163"},"modified":"2005-04-20T15:15:14","modified_gmt":"2005-04-20T13:15:14","slug":"in-welcher-schublade-stecke-ich-umgang-mit-der-diagnose","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=163","title":{"rendered":"In welcher Schublade stecke ich? \u2013 Umgang mit der Diagnose"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 20.04.2005<\/b><\/p>\n<p>Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der begleitenden \u00c4rzte Fr. Dr. Knittel und Herr Dr. Galke t\u00e4tig in den Rheinischen Kliniken D\u00fcren<\/p>\n<p>\u00dcberleitung zum Thema<\/p>\n<p><b>Warm up<\/b><\/p>\n<p>Jeder der m\u00f6chte zieht eine Spielkarte. Die Kartensymbole sind folgenderma\u00dfen festgelegt:<\/p>\n<ul>\n<li>Kreuz: Depression<\/li>\n<li>Herz: Manie<\/li>\n<li>Sch\u00fcppe: Schizophrenie mit Angst<\/li>\n<li>Karo: Durch Drogen verursachte Psychose<\/li>\n<\/ul>\n<p>Danach wird die Frage gestellt: Jetzt hat jeder seine Schublade \u2013 wie f\u00fchlt es sich an damit? Es wird eine Diskussion um den Begriff Diagnose gef\u00fchrt. Allein dass man in eine Schublade kommt ist unangenehm und man k\u00f6nnte sich und die Umwelt nicht mehr ungehindert beobachten. Jeder gibt zu seinem gezogenen Kartensymbol etwas heraus. Stichwort wie Lebensangst, Stigma, Ratlosigkeit und Panik finden Erw\u00e4hnung. Man befindet sich \u00fcber die gestellte Diagnose in der Schublade \u201epsychisch krank\u201c und damit am gesellschaftlichen Rand. \u00dcber eine Diagnose bilden sich Angeh\u00f6rige fragmentarisch (bruchst\u00fcckhaft) ein Bild \u00fcber eine\/n Kranke\/n. Auf der anderen Seite k\u00f6nnen \u00c4rzte mit Angeh\u00f6rigen zusammen Kriesekonzepte entwickeln. Weil manche Betroffene sich bei der Einweisung schwer \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen. Die Diagnose wird unter dem Aspekt angeschaut, dass man \u00fcber Fremdbestimmung (z. B. durch Einwirken der Angeh\u00f6rigen) in eine Schublade ger\u00e4t. Auf der anderen Seite bekommt der behandelnde Arzt durch die sog. \u201eFremdanamnese\u201c einen Einblick in die Situation einer betroffenen Person, wenn jemand nicht \u00fcber sich reden kann.<\/p>\n<p>Es r\u00fccken die Fragen in den Vordergrund:<\/p>\n<p><b>Schaffe ich es ohne Diagnose eine Orientierung zu bekommen?<\/b><\/p>\n<p>Diagnose ist eine Grobeinteilung. Der individuelle Anteil ist wichtig, um besser mit der Krankheit umgehen zu k\u00f6nnen. Es wird innerhalb des Gespr\u00e4ches deutlich, dass eine Diagnose bei den meisten Betroffenen ein Strohhalm im Strom der Psychiatrie mit ihren vielen Facetten bedeutet. Sie gibt Halt und Orientierung im Umgang mit sich selbst.<\/p>\n<p><b>Ist die Diagnose nur der kranke Anteil einer Person oder kann Diagnose auch etwas Positives beinhalten?<\/b><\/p>\n<p>Wenn jemand z. B. die Diagnose \u201eDepression\u201c hat, wirkt sich diese nicht auch noch als Verst\u00e4rker der negativen Stimmungen aus?<\/p>\n<p><b>Hinter jeder Diagnose steht ein Defizitkatalog?<\/b><\/p>\n<p>Diagnose hat auch etwas Gutes. Sie ist richtungweisend. Der Defizitkatalog gibt nun wirklich Anhaltspunkte, wo etwas im Argen ist. Sie gibt Hinweise wo jemand dran arbeiten muss, damit man aus der Schublade heraus kommt.<\/p>\n<p>Erst unter Leuten merkt man, ob man geerdet ist, ob man unsicher ist und wie das Gef\u00fchl zu sich selbst ist. Es wird thematisiert, dass einige Betroffene im Kontakt mit der Umwelt heraus finden wie sie zu sich selbst stehen. Es wird dann schwierig, wenn sie zu denken beginnen, nur nicht in der Menge auffallen. Nur nichts auff\u00e4lliges anziehen oder sich in einer Gruppe in die Mittel stellen. Nur nicht Mittelpunkt sein wollen.<\/p>\n<p><b>Wenn jemand nun eine Diagnose bekommen hat, ist die Krankheit nun ununterbrochen aktiv? Was ist mit sog. symptomfreien Intervallen? Wenn man eine Diagnose bekommen hat ist es wichtig zu schauen, was befindet sich au\u00dferhalb dieser Schublade und die Konsequenz ist, mutig aus der Schublade herauskrabbeln.<\/b><\/p>\n<p><b>Bekommt man eine Diagnose lebensl\u00e4nglich?<\/b><\/p>\n<p>Die Diagnosen m\u00fcssen nicht zwangsl\u00e4ufig die gleichen bleiben. Sie k\u00f6nnen im Laufe eines Lebens wechseln.<\/p>\n<p><b>Wie haben Sie einen guten Umgang mit ihrer Diagnose oder der Ihres Angeh\u00f6rigen hin bekommen?<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Durch die Informationen \u00fcber die eigene Diagnose kann man auch die bessere Kontrolle \u00fcber sich selbst erlangen. Die Diagnose gibt R\u00fcckhalt und Sicherheit.<\/li>\n<li>Eine Teilnehmerin m\u00f6chte gar keine Diagnose haben. Die Akzeptanz gegen\u00fcber der Diagnose f\u00e4llt schwer.<\/li>\n<li>Diagnose kann auch Schutzfunktion bedeuten, es gibt die eigene Schublade und die fremden Schubladen.<\/li>\n<li>Man sollte sich trotz Schublade eine Beweglichkeit erhalten, denn eine Diagnose kann eine starke Festlegung bedeuten.<\/li>\n<li>Der respektvolle Umgang mit der Diagnose ist wichtig, weil der respektvolle Umgang mit sich selbst wichtig ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Spielkarte wird wenn jemand sich ge\u00e4u\u00dfert hat, in eine Holzschublade in der Raummitte gelegt, die vor dem Blitzlicht mit einem K\u00fcchenhandtuch zugedeckt wird.<\/p>\n<p>Ein \u201eBlitzlicht\u201c mit dem Tenor: \u201eWas war heute wichtig f\u00fcr mich, was nehme ich mit?\u201c beendet die Veranstaltung.<\/p>\n<p>Bedanken bei den G\u00e4sten und den begleitenden \u00c4rzten der RKD und der Hinweis auf die n\u00e4chste Veranstaltung am 18.Mai 2005 Thema: Von der Droge in die Psychose \u2013 Cannabis und Co als Einstieg in den Abstieg?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 20.04.2005 Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der begleitenden \u00c4rzte Fr. 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