{"id":149,"date":"2004-04-21T14:43:36","date_gmt":"2004-04-21T12:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/psychose-seminar.info\/?page_id=149"},"modified":"2004-04-21T14:43:36","modified_gmt":"2004-04-21T12:43:36","slug":"fit-am-arbeitsplatz-trotz-psychose","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.psychose-seminar.de\/?page_id=149","title":{"rendered":"Fit am Arbeitsplatz trotz Psychose!?"},"content":{"rendered":"<p><b>Protokoll des Psychoseseminars vom 21.04.2004 von 19.00 \u2013 21.30 Uhr<\/b><\/p>\n<p>Nach der Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der begleitenden G\u00e4ste Hr. Wi\u00dfmann vom Integrationsfachdienst der Kette e. V. und Hr. Dzimbritzki von den RurTec Werkst\u00e4tten wird gleich durch eine Kartenabfrage ins Thema reingegangen. Es werden rosa und wei\u00dfe Karten an die TeilnehmerInnen verteilt. Auf die wei\u00dfen Karten k\u00f6nnen die Erfahrungen der TN (TeilnehmerInnen) die mit Psychose und Arbeitsplatz gemacht wurden aufgeschrieben werden. Auf den gr\u00fcnen Karten werden die daraus gezogenen Konsequenzen aufgeschrieben, falls gew\u00fcnscht und vorhanden. Nachdem die TN 20 Min Zeit zu \u00dcberlegungen und Ausf\u00fchrungen schriftlicher Art bekommen haben, wird der Vorschlag gemacht, die Karten vorzulesen, wer m\u00f6chte und auf den daf\u00fcr vorgesehenen Pappkarton auf zu bringen. Bereits jetzt schon ist der zeitlich gesteckte Rahmen \u00fcberschritten, da die individuelle Bearbeitung der gestellten Fragen einige Zeit erforderlich machte. Fast jeder\/jede TN hat Interesse seine\/ihre Erfahrungen vorzutragen und dar\u00fcber zu sprechen. Diesen Wunsch wird in Ruhe Rechnung getragen und seitens der Moderation darauf geachtet, dass jedem Beitrag angemessen Zeit einger\u00e4umt wurde. Dabei heraus kamen eine Reihe wichtiger und interessanter Schilderungen der sehr pers\u00f6nlichen Art.<\/p>\n<p><b>Unter dem Titel Erfahrungen wurden nachfolgende Stichworte gesammelt:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>bei Beginn der Psychose Unkonzentriertheit, kann dem Gegen\u00fcber nicht mehr zuh\u00f6ren und folgen<\/li>\n<li>Beziehungswahn<\/li>\n<li>Misstrauen<\/li>\n<li>Als Personal und Kollegen von meiner Krankheit erfahren haben, sind sie skeptisch und unsicher, wie sie sich mir gegen\u00fcber verhalten sollen<\/li>\n<li>Unsicherheit mit der Einnahme der Neuroleptika (M\u00fcdigkeit, Unkonzentriertheit)<\/li>\n<li>Ich selber bin bei der Arbeit sehr korrekt, versuche keine Fehler zu machen und kontrolliere alles oftmals.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Erster Krankheitschub einer drogeninduzierten Psychose:<\/b><\/p>\n<p><b>Beobachtbar zun\u00e4chst:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>ver\u00e4ndertes Verhalten der Betroffenen (zun\u00e4chst unerkl\u00e4rlich)<\/li>\n<li>Er\/Sie begann den Kampf gegen Windm\u00fchlenfl\u00fcgel<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Das Team dazu: es war sehr heftig zerteilt in Gegner und Bef\u00fcrworter<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Krankschreibung, Krach mit Vorgesetzten, Versetzung in einen anderen Arbeitsbereich.<\/li>\n<li>wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Erkrankung am Arbeitsplatz (Kollegen\/Vorgesetzte)<\/li>\n<li>Einsatzf\u00e4higkeit durch Medikamente beeintr\u00e4chtigen (Maschinentauglichkeit)<\/li>\n<li>Arbeitsverdichtung f\u00fchrt zu mehr Stress -&gt; Belastung -&gt; Erkrankung<\/li>\n<li>bin kritisiert worden, weil zuviel krank gewesen -&gt; Mobbing<\/li>\n<li>Diskussionsrunde aufgrund der sedierenden Wirkung der Medikamente in einer zu wenig gesagt<\/li>\n<li>Mobbing, Abmahnungen<\/li>\n<li>Sollte auf \u00dcberstundenauszahlungen verzichten f\u00fcr ein passables Zeugnis<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Patienten die nach l\u00e4ngeren Klinikaufenthalten zur Arbeitstherapie zu gehen:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Froh Besch\u00e4ftigung zu haben<\/li>\n<li>M\u00fchsam sich an geregeltes Aufstehen\/ fr\u00fchen Arbeitsbeginn zu gew\u00f6hnen<\/li>\n<li>Beginn mit wenigen Stunden \u2013 dann halbe Tage \u2013 dann ganzer Tag (Hamburger Modell)<\/li>\n<li>Freude \u00fcber Best\u00e4tigung durch Arbeit -&gt; Angst vor Anforderungen\/ \u00dcberforderungen<\/li>\n<li>Schwierigkeiten: realistische Einsch\u00e4tzung der eigenen F\u00e4higkeiten und Einschr\u00e4nkungen<\/li>\n<li>Patienten, die in ihrem erlernten Beruf nicht mehr arbeiten k\u00f6nnen\/ nicht mehr Vollzeit arbeiten k\u00f6nnen<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Fr\u00fchberatung mit Konsequenzen f\u00fcr Selbstwertgef\u00fchl, finanziellen Auswirkungen etc.<\/li>\n<li>Arbeitssuche, Umschulung, Praktika<\/li>\n<li>\u201egesch\u00fctzte Werkst\u00e4tten\u201c z. B. Rurtalwerkst\u00e4tten<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Eine Angeh\u00f6rige schreibt:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Die Arbeitswelt im Kreise der RurTec-Mitarbeiter gibt ihr sehr viel Menschlichkeit, sie f\u00fchlt sich verstanden und angenommen.<\/li>\n<li>Sie f\u00fchlt sich verstanden und angenommen.<\/li>\n<li>Hat noch nie so positive Erfahrungen gemacht<\/li>\n<li>Habe in Richtung Arbeitswelt noch nie etwas negatives geh\u00f6rt<\/li>\n<li>Der Tag ist f\u00fcr meine Tochter sehr lang, sie f\u00fchlt sich sehr m\u00fcde und schwach<\/li>\n<li>R\u00fccken- und Schulterbereich sind verschlissen, so dass sie oft auch unter Schmerzen arbeitet.<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Der Leiter der \u201ebesch\u00fctzten Werkst\u00e4tte\u201c bemerkt:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Aus den gemachten Erfahrungen haben wir die Arbeitspl\u00e4tze gestaltet. Z. B. R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeiten; Zeit f\u00fcr Gespr\u00e4che; Tagesstruktur<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Ein anderer Teilnehmer schreibt:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Keine Lust zu arbeiten<\/li>\n<li>Ich hatte es schwer morgens auf zu stehen<\/li>\n<li>Ich kam auf einen anderen Arbeitsplatz, der mir schwer fiel<\/li>\n<li>In der Fabrik wollten viele Kollegen wissen, was mit mir passiert ist<\/li>\n<li>Ich musste mich ein bisschen zur\u00fcck halten, den es w\u00e4re schrecklich rund gegangen in der Firma<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ich war leitender Angestellter in einem gro\u00dfen Unternehmen. In 11\/97 hatte ich meine erste Psychose. Bis 12\/99 wurde ich in immer niedrigeren Positionen versetzt. Durch die Psychose kam es 12\/99 zu einer Trennung im gegenseitigen Einvernehmen = Arbeitsplatzverlust<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Jemand anders schreibt dazu:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Psychose-Erkrankte verlieren h\u00e4ufig ihre Stellen\/Lehrstellen nach der ersten Erkrankung.<\/li>\n<li>Vor allem in kleineren Betrieben werden Psychose-Erkrankte oft sehr lange mitgetragen.<\/li>\n<li>Arbeit wird h\u00e4ufig als Funktions- und Wutmessung verstanden nach dem Motto: \u201eStell dich nicht so an!\u201c \u201eWarum kannst du das den nicht!\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Eine Angeh\u00f6rige schreibt:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Mein Mann war am Arbeitsplatz \u00fcberfordert, weil er Angst hatte. Sein Verfolgungswahn lies ihn nicht los (chronische Psychose)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ich glaube, er war sehr gef\u00e4hrdet (Selbstmord) und hat keine vern\u00fcnftige Leistung mehr erbringen k\u00f6nnen. Nach ca. 14 Jahren arbeitet er jetzt stundenweise bei jemandem, der schon l\u00e4nger zum Bekanntenkreis geh\u00f6rt und ihn so nimmt, wie er ist.<\/p>\n<ul>\n<li>Starke \u00c4ngste, bin ich neuen Anforderungen gewachsen?<\/li>\n<li>Mobbing<\/li>\n<li>Stigma \u201eVersager zu sein\u201c<\/li>\n<li>Probleme mit dem Lebenslauf \u2013 gro\u00dfe L\u00fccken \u2013<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Unter dem Titel: Konsequenzen die man aus den Erfahrungen mit Krankheit und Arbeitsplatz gemacht hat:<\/b><\/p>\n<ul>\n<li>Resignation<\/li>\n<li>Fr\u00fchrente<\/li>\n<li>\u201eHausmann\u201c<\/li>\n<li>Beziehungskrise<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Kontakt zu den gemeindepsychiatrischen Anbietern von Kontaktstellen und Tagesst\u00e4tten \u201eDie Kette e. V. und \u201eTriangel\u201c, dem Arbeitsamt und zum Intergrationsfachdienst hergestellt.<\/li>\n<li>In Begutachtungsverfahren f\u00fcr zeitlich begrenzte Berentung mit Anbindung an Arbeitstherapie ausgesprochen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Vermehrt K\u00fcndigungen<\/li>\n<li>Weniger Perspektiven<\/li>\n<li>Berufliche Rehabilitation \/ angemessene Stelle \/ Rente?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Sie will es schaffen und m\u00f6chte bei der RurTec (besch\u00fctzte Werkst\u00e4tte) ein Leben lang arbeiten.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Keine Mitteilungen mehr \u00fcber die Krankheit, da seltsame R\u00fcckmeldungen<\/li>\n<li>Ruhepause einlegen<\/li>\n<li>Die Probezeit wurde nicht verl\u00e4ngert sondern verk\u00fcrzt<\/li>\n<li>Soziales Umfeld aufbauen, um Heilungsprozess zu verbessern<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Mein Mann wurde pensioniert, weil er nicht mehr f\u00e4hig war zu arbeiten<\/li>\n<li>Er hat sich einen Schutzraum (Wohnung) gesucht, um erst einmal zur Ruhe zu kommen, sich zu orientieren, langsam am Leben wieder teil zu nehmen und sich zu finden.<\/li>\n<li>\u201eHausmann\u201c<\/li>\n<li>Jetzt 12 Jahr sp\u00e4ter arbeitet er stundenweise<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Verlust des Arbeitsplatzes<\/li>\n<li>Rehabilitation machen \u2013 langsam wieder aufbauen \u2013<\/li>\n<li>Mobbing<\/li>\n<li>Rente beziehen<\/li>\n<li>Mit wenig Geld zurecht kommen<\/li>\n<li>Auf dem 2. Arbeitsmarkt t\u00e4tig sein<\/li>\n<li>Zweifel an sich selbst \u2013 bin ich jemals wieder f\u00e4hig zu arbeiten -?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Informationsbedarf<\/li>\n<li>Arbeitsm\u00f6glichkeiten<\/li>\n<li>Medizinisch-therapeutische Einsch\u00e4tzung zwischen Unter- und \u00dcberforderung<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Drogenkonsum problematisieren<\/li>\n<li>Eigene Sensibilit\u00e4t im Umkreis (etwas) sch\u00e4rfen<\/li>\n<li>Geduld bei Reintegration<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Entlassung von der Firma, Wiedergutmachung hat nicht geklappt<\/li>\n<li>Fr\u00fchrente<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Aufhebungsvertrag<\/li>\n<li>Verzicht auf \u00dcberstundenzahlungen<\/li>\n<li>Trennung von Ehepartnerin<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>In der dritten Phase nach der kurzen Pause stellt Herr Wi\u00dfmann den Intergrationsfachdienst und Herr Dzimbritzki ihren Arbeits- und Wirkungsbereich vor.<\/b><\/p>\n<p>Aus dem Auditorium werden eine Menge Fragen gestellt und beantwortet. z. B. Sollte die Psychose und die daraus resultierenden Fehlzeiten im Lebenslauf angegeben werden? Antwort: Wenn es mit dem Arbeitsbereich in Zusammenhang steht.<\/p>\n<p>Ist ein \u201eSchwerbehinderter\u201c unk\u00fcndbar? Antwort: Nein \u2013 Er\/Sie ist k\u00fcndbar, nur das K\u00fcndigungsverfahren ist anders.<\/p>\n<p>Themen waren au\u00dferdem: Schwerbehindertenausweis, 400 \u20ac Jobs und das Verfahren, einen Arbeitsplatz in der RurTec Werkst\u00e4tte zu bekommen.<\/p>\n<p>Ende der Veranstaltung gegen 21.30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll des Psychoseseminars vom 21.04.2004 von 19.00 \u2013 21.30 Uhr Nach der Begr\u00fc\u00dfung des Auditoriums und der begleitenden G\u00e4ste Hr. Wi\u00dfmann vom Integrationsfachdienst der Kette e. V. und Hr. Dzimbritzki von den RurTec Werkst\u00e4tten wird gleich durch eine Kartenabfrage ins Thema reingegangen. Es werden rosa und wei\u00dfe Karten an die TeilnehmerInnen verteilt. 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